Andreas Lang Photography

 


Naturerlebnis als Wahrnehmungsprozess


Dr. Jeanette Zwingenberger, Auszug aus dem Essay "Unendliche Endlichkeit", Katalog Schöne Landschaft-Bedrohte Natur, Sammlung SØR Rusche Berlin - Oelde

Etliche Künstler (z.B. Raffi Kaiser, Andréas Lang und Mitja Ficko) der Sammlung haben sich in der Auseinandersetzung Kunst - Natur auf lange Reisen begeben. Im Gegensatz zu den meist zivilisierten, historischen Landschaftszügen, geht es diesen Künstlern um die unermessliche Weite einer nicht urbanen Landschaft, die andere Eindrücke und die Erfahrung von außergewöhnlichen Raum- und Zeitdimensionen verspricht. Das Durchschreiten der Natur wird zu einem meditativen und kreativen Empfindungs- und Wahrnehmungsprozess. „Über der Natur steht der Primat der Kunst.“*1)

Das eigentliche Bild entsteht dabei hinter dem Bilde, durch den Blick des Künstlers, sowie auch des Betrachters, als mentaler Raum.

Von einem mystisch-animistischen Naturerlebnis, wo sich Formen im Wandel der Natur verdichten oder auflösen oder in der Beschäftigung mit Landschaftsdarstellungen in der Alten Kunst, neue Nuancen gewonnen werden, zeugen Werke von Leiko Ikemura, Katsutoshi Yuasa, Miriam Vlaming. Der französische Anthropologe Philippe Descola *2) relativiert unser westliches, eurozentrisches Weltbild, das durch die fundamentale Trennung zwischen Natur und Kultur geprägt ist. Jenseits dieser Teilung entwickelt er eine Weltordnung der Wahlverwandtschaften zwischen Mensch und Natur, die heute zu einer Notwendigkeit werden sollte. Diese Fülle beseelter Beziehungen zwischen allen Wesenheiten kennzeichnet die gerade erwähnten Künstlerpositionen.

*1) Annelie Pohlen, Die Landschaft und die Malerei, Kunstforum, Bd 76, 1984, S.32
*2) Philippe Descola, Jenseits von Natur und Kultur Deutsche Übersetzung, Eva Moldenhauer, Nachwort  Michael Kauppert, Suhrkamp, Berlin, 2011