Andreas Lang Photography

 


GOLDENE ZEITEN


Nicole Wiedinger, Text für den Artionale Katalog, München 2011

Lametta glänzt golden im Aufgang – ein schöner Schein. So lassen es die Feiernden leicht hinter sich zurück an den Orten, die sie sich für ihre rauschenden Feste ausgesucht haben.

Andréas Lang interessiert sich für die Stunde nach dem Ereignis, für die Zwischenzeit des ‘nicht mehr’ und des ‘noch nicht wieder’. Jeden Moment kann in seinen Szenerien neues Leben seinen Anfang nehmen. Der Betrachter bevölkert die verlassenen Räume in seiner Vorstellung unweigerlich mit Menschen, die hier ihre phantastischen Geschichten aufführen. – Doch, was braucht es, dass sie nicht immer wieder doch nur das gleiche Spektakel wiederholen?

Es könnte ein Windhauch sein, der die Stille dieser Orte belebt. Wer sich selbst dort hin imaginiert, hört ihn um Häuserecken säuseln. Hier bewegt er Vorhänge, dort lässt er Gestapeltes leise ächzen. Dann weht er einem sanft ins Gesicht und man fühlt plötzlich, wie der Herzschlag sich beschleunigt. Der Atem sinkt tiefer, der Blick hebt sich, wird weiter. Gerüche steigen in die Nase, Leidenschaft erwacht. – Mut hat, wer hier und jetzt seinen Wünschen folgt und die Durchgänge, die sich öffnen, betritt, ohne zu wissen, was ihn erwarten wird.

Langs Aufmerksamkeit gilt dem Unvorhersehbaren. Er ist viel in der Welt unterwegs, um solche Momente zu finden. Seine Fotografien geben nicht vor, mehr zu wissen als der portraitierte Ort. Vielleicht ist es sogar dieses nicht mehr wissen Wollen, diese Askese, die Langs besondere künstlerische Leistung ist. Zu zeigen, was ist und nur das, ist eine Begrenzung, die ein Wünschen freisetzen kann, das sich weiter vorwagt, als die bereits vorhandenen Vorstellungen des Wünschbaren reichen. – Und so und von daher kommt dann doch, unerwartet, das Neue in die Welt.

Eine Zeit, die das Unvorhersehbare nicht fürchtet, es also nicht ausschließen muss, hat eine Zukunft. – Goldene Zeiten? Ja! Und warum auch nicht.